Medien: reality first

Es ist hierzulande immer wieder von der freien Presse die Rede. Freie Medien sind schön und gut. Aber was ist, wenn Medien ihre Freiheit darin sehen, ihre Nutzerinnen und Nutzer mit Halbwahrheiten abzuspeisen? Wenn sie nicht das ganze Bild wiedergeben, sondern nur einseitige, ideologisch durchtränkte Zerrbilder der Realität präsentieren? Freie Medien ja, aber Freiheit ist nicht das alleinige und auch nicht das erste Kriterium für gute Medien. Medien müssen zu allererst objektiv sein. Sie müssen das ganze Bild der Wirklichkeit wiedergeben, und nicht ein Zerrbild, das leicht zu einem Feindbild ausartet. Gute Medien informieren ihre Nutzer umfassend, und sie stülpen ihnen nicht ständig ihre eigenen Meinungen über. Meinungsbeiträge darf es zwar auch geben, aber zuerst kommt die objektive Information. Gute Medien klären ehrlich auf, anstatt Menschen zu manipulieren. Zusätzlich müssen sie auch frei sein und ohne staatliche Inhaltsvorgaben arbeiten können. Eine „freie Presse“ aber, die uns nutzlose, ja gefährliche, weil einseitige Zerrbilder der Realität präsentiert, braucht kein Mensch.

Und noch etwas brauchen wir nicht: Medien, die immer nur um Aufmerksamkeit heischen müssen, die skandalisieren müssen, um auf einem umkämpften Markt, auf dem es nur um Klicks, Auflage und Einschaltquote geht, überleben zu können. Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten eine gefährliche Sucht nach immer mehr Aufmerksamkeit entwickelt, die sich verselbständigt hat und außer Kontrolle geraten ist. Das ist unter anderem deshalb gefährlich, weil die wichtigen Themen, die sich auf dem Markt oftmals nicht gut verwerten lassen, dabei unter die Räder kommen. Marktschreierische Medien schaden der Gesellschaft auf vielfältige Weise.

Wir brauchen Medien, die die wichtigen Themen aufs Tapet bringen, die die gesellschaftlichen Diskurse ohne eine eigene politische Agenda unabhängig anstoßen und moderieren. Marktförmige Medien sind dafür denkbar schlecht geeignet, solange der Markt nicht entsprechend gezähmt und reguliert wird. Markterfordernisse sind ihnen im Zweifel wichtiger als das Wohl der Gesellschaft.