Medien: reality first

Es ist hierzulande immer wieder von der freien Presse die Rede. Freie Medien sind schön und gut. Aber was ist, wenn Medien ihre Freiheit darin sehen, ihre Nutzerinnen und Nutzer mit Halbwahrheiten abzuspeisen? Wenn sie nicht das ganze Bild wiedergeben, sondern nur einseitige, ideologisch durchtränkte Zerrbilder der Realität präsentieren? Freie Medien ja, aber Freiheit ist nicht das alleinige und auch nicht das erste Kriterium für gute Medien. Medien müssen zu allererst objektiv sein. Sie müssen das ganze Bild der Wirklichkeit wiedergeben, und nicht ein Zerrbild, das leicht zu einem Feindbild ausartet. Gute Medien informieren ihre Nutzer umfassend, und sie stülpen ihnen nicht ständig ihre eigenen Meinungen über. Meinungsbeiträge darf es zwar auch geben, aber zuerst kommt die objektive Information. Gute Medien klären ehrlich auf, anstatt Menschen zu manipulieren. Zusätzlich müssen sie auch frei sein und ohne staatliche Inhaltsvorgaben arbeiten können. Eine „freie Presse“ aber, die uns nutzlose, ja gefährliche, weil einseitige Zerrbilder der Realität präsentiert, braucht kein Mensch.

Und noch etwas brauchen wir nicht: Medien, die immer nur um Aufmerksamkeit heischen müssen, die skandalisieren müssen, um auf einem umkämpften Markt, auf dem es nur um Klicks, Auflage und Einschaltquote geht, überleben zu können. Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten eine gefährliche Sucht nach immer mehr Aufmerksamkeit entwickelt, die sich verselbständigt hat und außer Kontrolle geraten ist. Das ist unter anderem deshalb gefährlich, weil die wichtigen Themen, die sich auf dem Markt oftmals nicht gut verwerten lassen, dabei unter die Räder kommen. Marktschreierische Medien schaden der Gesellschaft auf vielfältige Weise.

Wir brauchen Medien, die die wichtigen Themen aufs Tapet bringen, die die gesellschaftlichen Diskurse ohne eine eigene politische Agenda unabhängig anstoßen und moderieren. Marktförmige Medien sind dafür denkbar schlecht geeignet, solange der Markt nicht entsprechend gezähmt und reguliert wird. Markterfordernisse sind ihnen im Zweifel wichtiger als das Wohl der Gesellschaft.

Wider besseres Wissen

Wir wissen um die Prinzipien der Aufklärung, wir kennen die grundsätzlichen Grenzen der Erkenntnis, wir kennen die psychologische Forschung: wir sollten eigentlich wissen, dass es Mechanismen gibt, die zu einem schematischen Schwarz-Weiß-Denken führen, zur Entwicklung von Feindbildern und entsprechender Propaganda. Wir sollten wissen, dass jedes Land, jede Kultur, ja jeder einzelne Mensch gute und schlechte Eigenschaften hat. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Wir sollten wissen, dass Menschen dazu tendieren, sich selbst im Recht zu sehen. Wenn wir denken, im Recht zu sein, bedeutet das noch lange nicht, dass wir tatsächlich im Recht sind. Jeder kann falsch liegen, jeder kann sich irren, jeder kann im Unrecht sein.

Dennoch macht sich auf allen Ebenen eine unduldsame Rechthaberei breit. Meinungen und Anschauungen werden zunehmend mit einer Absolutheit vertreten, die anderen Meinungen die Existenzberechtigung abspricht. Die Ursache dieser Rechthaberei ist ein mangelnder Abstand zum eigenen Denken, eine mangelnde Kritikfähigkeit an der eigenen Position — nicht selten auch eine Überschätzung der eigenen intellektuellen Fähigkeiten, eine Art von intellektuellem Größenwahn, als wäre man selbst einer der größten Experten des Planeten, der alles richtig beurteilen kann. Jeder Gedanke, der sich richtig und gut anfühlt, wird für wahr genommen, egal, wie unausgegoren oder haltlos er in Wirklichkeit ist. Darüber hinaus besteht eine gefährliche Tendenz, nur noch die Informationen wahrzunehmen, die das eigene, vorgefasste Weltbild bestätigen, und alles zu ignorieren, was der eigenen Meinung widerspricht. Hinzu kommt eine aggressive Intoleranz gegenüber anderen Meinungen und den Menschen, die diese vertreten — eine Intoleranz, die noch vor wenigen Jahren zumindest hierzulande undenkbar schien.

„Ich habe Recht, du hast Unrecht“ — dieses unselige Denken, diese fanatische Schwarz-Weiß-Malerei führt zu einer gefährlichen Spaltung in unversöhnliche Lager, die sich voller Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber stehen. Und zwar innerhalb einer Gesellschaft genauso wie innerhalb der ganzen Menschheit. Je länger diese Spaltung andauert, umso tiefer wird sie, und umso mehr droht sie sich zu verhärten. Man kann sie inzwischen in unzähligen Internetforen beobachten, in denen unerbittliche Meinungskriege ausgefochten werden. Auch viele professionelle publizistische Kanäle sind davon betroffen. Auch sie sind sehr häufig Parteigänger einer bestimmten Sichtweise. Auch sie sehen ihre eigene Seite im Recht und andere im Unrecht. Auch sie sind gleichermaßen Opfer und Protagonisten dieser Spaltung.

Das alles ist aber nichts prinzipiell Neues. Aus der Geschichte sind unzählige Beispiele für grassierende Stereotype und entsprechende Feindbilder bekannt. Wir könnten das alles wissen. Und Maßnahmen dagegen ergreifen. Wir könnten die Rechthaberei als das bloßstellen, was sie ist: eine ungerechtfertigte Anmaßung, eine aggressive Unduldsamkeit, die vernünftige Kompromisse und ein Aufeinanderzugehen völlig unmöglich macht. Vernünftigerweise müssen wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass wir selbst im Unrecht sein können. Die Stimme der Vernunft würde die eigene Fehlbarkeit anerkennen. Aber das ist etwas, was viele in ihrer Selbstzentriertheit und geistigen Verhärtung unter keinen Umständen akzeptieren wollen.

Statt den Weg der Vernunft zu wählen, legen sie eine fatale Unvernunft an den Tag, indem sie fest an die Richtigkeit ihrer Schwarz-Weiß-Malerei und der daraus resultierenden Feindbilder glauben. Dass sich insbesondere viele unserer professionellen Medien munter daran beteiligen, ja die Schwarz-Weiß-Malerei massiv befeuern, ist ein besonders schlimmes Versagen, das dem eigenen Anspruch und Berufsethos der Medien massiv widerspricht. Bei manchen Medienschaffenden mag sich das Versagen daraus ergeben, dass sie ihre Meinung und die Wirklichkeit tatsächlich nicht auseinander halten können, weil sie zu einem sauberen Denken trotz ihrer Ausbildung einfach nicht in der Lage sind. Das mag es durchaus geben. Es müssen ja nicht immer die Intelligentesten sein, die „etwas mit Medien machen“. Bei manchen mag das anfänglich saubere Arbeiten auch mit der Zeit unter einem Berg aus schlechten, aber praktischen Gewohnheiten verschüttet worden sein. Nicht zuletzt sind nicht nur die Medienrezipienten für einfache Botschaften empfänglich, auch die Journalisten selbst sind nicht davor gefeit.

Das bedeutet aber nicht, dass das mediale Versagen immer nur unabsichtlich stattfindet. Mancher wird durchaus wissen, dass er vereinfachte Botschaften verbreitet, dass er Schwarz-Weiß-Malerei betreibt. Er tut es trotzdem, etwa um seinen Job nicht zu verlieren, um seine Karriere voranzubringen, oder um eine politische Agenda zu transportieren. Zu denken, dass es so etwas nicht gibt, wäre äußerst naiv. Es gibt nicht nur wohlmeinende Menschen im Journalismus, die im besten Glauben handeln, sauber zu arbeiten (auch wenn sie diesen Anspruch nicht immer erfüllen), sondern auch mitunter böswillige und verlogene, die genau wissen, was sie tun. Böswillige Menschen, Opportunisten, Mitläufer und Jasager gibt es in jeder größeren Gruppe und damit auch im Journalismus. Das ist praktisch unvermeidlich. Dass die anderen Journalisten und wir als Gesellschaft aber so tun, als ob es das alles nicht gäbe, ist schlichtweg unverzeihlich.

Ebenso unverzeihlich ist, dass wir im 21. Jahrhundert mit all dem Wissen und all den Erfahrungen, die wir als Menschheit haben, immer noch massenhaft auf Stereotype hereinfallen und felsenfest an die Wahrheit von Feindbildern glauben. Man kann von uns durchaus verlangen, dass wir es besser wissen sollten. Aber so viel Realismus, so viel Ehrlichkeit ist von den Menschen, die ja bekanntlich zu den Affen gehören, wohl nicht zu erwarten.

Mahnung der Erdbewohner

Wir sagen es rundheraus: wir sind nicht zufrieden mit euch. Ihr habt unseren wundervollen Planeten in einen katastrophalen Zustand gebracht. Ihr habt die Natur zerstört und das Klima aufgeheizt. Und als ob das noch nicht genug wäre, habt ihr zu allem Überfluss auch noch die Beziehungen zwischen den Staaten ruiniert und damit die Sicherheit aller zunichtegemacht. Ihr hattet den Anspruch, die Menschheit zu führen, aber ihr habt uns an den Rand eines Abgrunds geführt.

Wir sagen allen Kriegstreibern, allen Großmachtfanatikern, allen Hegemonen, allen Brandstiftern, allen Menschenfeinden, und zwar ganz egal, ob sie autokratisch oder demokratisch sind: wir brauchen euch nicht auf diesem Planeten. Wir wollen euch nicht mehr länger auf der Erde haben. Ihr seid hier nicht mehr willkommen. Von uns aus könnt ihr euch auf den Mond verziehen. Oder auf den Mars. Oder auf irgendeinen gefrorenen Jupitertrabanten. Dort könnt ihr eure geopolitischen Spielchen spielen, dort könnt ihr euren nächsten Weltkrieg veranstalten, dort könnt ihr euch gegenseitig die Köpfe einschlagen, euch gegenseitig vernichten. Aber nicht hier auf unserer Erde.

Die Erde ist der Planet aller Menschen. Nicht eines Teils der Menschen, sondern der ganzen Menschheit. Die Erde gehört nicht euch. Ihr könnt hier nicht treiben, was ihr wollt. Wenn ihr glaubt, die ganze Welt wäre euer Schachbrett, auf dem ihr die Menschen wie Spielfiguren hin- und herschieben könnt, dann habt ihr euch mächtig getäuscht. Wir sind nicht eure Spielfiguren. Wir spielen euer zynisches Spiel nicht mehr mit. Wir haben genauso ein Recht an diesem Planeten wie jeder andere.

Wir sagen denen, die sich für etwas Besseres halten, die von der Kanzel herunter einen Keil in die Menschheit treiben, die einen großen Kampf zwischen Demokratien und Autokratien herbeireden: kommt herunter von eurem hohen Podest. Auch ihr habt Verbrechen begangen und begeht sie bis heute. Auch ihr habt den Klimawandel befeuert und befeuert ihn noch immer. Auch ihr habt Kriege geführt, habt die Umwelt zerstört, habt dem Hunger tatenlos zugesehen. Auch ihr habt Menschen ausgebeutet und für euren eigenen Vorteil missbraucht. Eure Scheinheiligkeit könnt ihr euch sparen.

Wir wollen nicht euer Gift der Spaltung. Wir wollen nicht eure Pest der Konfrontation, die am Ende nur zu einem großen Krieg führt. Wir wollen eine Menschheit werden. Ja: wir müssen eine Menschheit werden, wenn wir überleben wollen. Der nächste Weltkrieg wird nicht einfach der dritte, sondern der letzte. Es gibt keine weitere Chance mehr. Die Menschheit hatte schon zwei Chancen, ihre Lektion zu lernen. Eine dritte wird es nicht mehr geben. Entweder wir raufen uns alle zusammen und sorgen dafür, dass der zweite Weltkrieg der letzte war, oder die Zukunft wird ohne uns Menschen stattfinden.

Was wir wollen, ist wirklich nicht viel. Wir wollen einfach nur unser Leben leben. Ohne Krieg. Ohne Gewalt. Ohne Hass. Ohne Hunger. Ohne Armut. Ohne Ausbeutung. Ohne Unterdrückung. Wir wollen nicht, dass irgendeiner ganz oben, der uns gar nicht kennt, der uns nie gesehen hat, der abends scheinheilig seine Kinder umarmt, darüber entscheidet, ob wir weiterleben dürfen oder sterben müssen. Ist das, was wir wollen, nicht das Selbstverständlichste und Einfachste auf der Welt? Was stimmt mit den Menschen nicht, dass sie diese Selbstverständlichkeit bis heute noch nicht verwirklicht haben?

Wir stellen euch vor eine einfache Wahl: entweder ihr seid Freunde der Menschheit, die konstruktiv daran mitarbeiten, die Probleme auf der Erde zu lösen und die Situation aller Menschen zu verbessern, oder ihr seid Feinde der Menschheit, die nur ihr eigenes Wohlergehen interessiert. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Tertium non datur. Und macht euch keine Hoffnung, uns mit schönen Worten betrügen zu können. Wir geben nichts auf eure Worte. Wir schauen nur auf eure Taten. An euren Taten werden wir euch erkennen.

Wir sind aber auch bereit, euch die Hand zu reichen zur Versöhnung. Denn jeder begeht Fehler, und nur durch Versöhnung können wir eine Menschheit werden. Die Fähigkeit zur Versöhnung ist eine Kraft, die uns Menschen von Natur aus innewohnt. Wir sind bereit, diese Kraft zu entfalten. Aber zur Versöhnung braucht es immer beide Seiten. Ohne den aufrichtigen Willen zur Versöhnung kann es auch keine Versöhnung geben.

Also: entscheidet euch jetzt. Es bleibt keine Zeit mehr. Beide Wege liegen vor euch. Der Weg, der zu einer vereinten Menschheit führt, die ihre Probleme gemeinsam löst, und der Weg der Spaltung, der uns alle im Kampf Mensch gegen Mensch in den Abgrund stürzt. Für uns ist die Sache klar. Es kann nur eine richtige Entscheidung geben.

Die Bewohner des Planeten Erde

(Leider nur im Traum)

Geopolitik

Der Begriff ist mittlerweile fast allgegenwärtig, und jeder, der seinem Wortbeitrag einen besonders intelligenten Anschein geben will, schmückt ihn mit ebendiesem Wort: „Geopolitik“. Aber was genau ist mit dieser inflationär verwendeten Modevokabel eigentlich gemeint? Meint „Geopolitik“ eine Politik, die auf das Wohl der ganzen Erde und der ganzen Menschheit ausgerichtet ist?

Selbstverständlich nicht. Gemeint ist vielmehr die gute alte Großmachtpolitik, die auf der ganzen Welt die egoistischen Partikularinteressen einzelner Staaten durchsetzen soll, die diese Großmachtpolitik betreiben. Das Nachsehen haben alle schwächeren Staaten, die trotz ihrer viel größeren Bevölkerungszahl „geopolitisch“ nichts zu vermelden haben. Wenn die Großen ihre „geopolitischen“ Spielchen spielen, sollten die Kleinen nicht im Weg herumstehen. Das ist die zynische Botschaft, die in diesem Begriff mitschwingt, auch wenn man diese Tatsache lieber vornehm verschweigt.

Tatsächlich würde dieser Planet eine echte Geopolitik, die das Wohl der ganzen Weltbevölkerung — der menschlichen wie der nicht-menschlichen — zum Ziel hat, dringender benötigen als alles andere. Aber so viel Weitsicht ist von den Menschen, die ja bekanntlich zu den Affen gehören, leider nicht zu erwarten.

Nukleare Teilhabe

Was ist nukleare Teilhabe? Nukleare Teilhabe ist, wenn ein Land, das sich in einem großen Sicherheitsabstand befindet, die Kontrolle über Atombomben hat, während ein anderes Land an der Ablieferung der Bomben und am Empfang des Gegenschlags mitsamt nuklearer Vernichtung teilhat.

Ob das ein kluges Konzept ist?

Wenn es den Homo sapiens wirklich gäbe

Wenn es den Homo sapiens, den weisen, einsichtigen Menschen, wirklich gäbe, dann wäre die Welt eine ganz andere. Daran kann gar kein Zweifel bestehen. Der Homo sapiens würde zum Beispiel Konflikte friedlich lösen. Er würde auf Konfliktparteien mäßigend einwirken und Konflikte entschärfen, anstatt sie zusätzlich anzuheizen und zu befeuern. Er würde dafür sorgen, dass ein Ausgleich zwischen verschiedenen Positionen geschaffen wird. Er würde auf ein Win-win aller hinwirken, damit sich keiner benachteiligt oder übergangen fühlen kann.

Der Homo sapiens würde sich um eine gemeinsame, gegenseitige Sicherheit aller Staaten bemühen. Er würde wissen, dass Sicherheit unteilbar ist. Dass sie das Atomos, das Unteilbare der internationalen Politik ist. Denn es gibt entweder Sicherheit für alle, oder es gibt Sicherheit für keinen.

Natürlich wäre der Homo sapiens kein Dummerjan, der immer und überall und ausschließlich an das Gute im Menschen glaubt. Er würde wissen, dass es im Menschen nicht nur Gutes, sondern auch Schlechtes gibt, und dass es immer wieder nach außen brechen kann. Deshalb würde er sich auch auf diesen Fall angemessen vorbereiten. Es wäre ihm klar, dass es dumm und fahrlässig wäre, diese Gefahr gänzlich zu ignorieren.

Der Homo sapiens würde solche Gefahren also durchaus im Auge behalten. Das wäre aber nur eine Nebenbeschäftigung für ihn. Sein Hauptanliegen wäre, mit allen Seiten zu kooperieren, und zwar zum Wohl der ganzen Menschheit. Er würde weltweit zusammenarbeiten, um die Situation der Menschen auf der ganzen Welt zu verbessern. Die Kooperation wäre die entscheidende Grundlage für das globale Zusammenleben. Darüber hinaus wäre auch Konkurrenz erlaubt, aber der Homo sapiens würde dafür sorgen, dass sie gezähmt und moderiert wird. Er würde der Konkurrenz niemals erlauben, das globale Zusammenleben zu unterminieren.

Um die Zukunft der eigenen Nachfahren und die anderer Arten nicht zu zerstören, würde der Homo sapiens selbstverständlich nachhaltig leben. Alles andere wäre für ihn völlig undenkbar. Nachhaltigkeit ist das A und O für ein dauerhaftes Leben auf der Erde. Der Homo sapiens würde Ressourcen schonen, statt sie leichtfertig zu verschwenden. Nicht zuletzt würde er die Lebensrechte seiner Mitbewohner auf der Erde, der Tiere und Pflanzen, achten, anstatt nur sich selbst ein Lebens- und Existenzrecht zuzugestehen.

Das alles würde der Homo sapiens tun, wenn es ihn denn gäbe. Aber leider gibt es den Homo sapiens nicht. Statt dessen muss die Welt mit einem anderen Vertreter der Gattung Homo vorlieb nehmen. Dieser ist leider nicht das hellste Licht im Welttheater, weshalb man ihn mit einigem Recht auf den Namen Homo Knallkopf taufen kann. Obendrein ist er auch noch vom Egoismus zerfressen und verfolgt mit Vorliebe zu allererst seine eigenen Interessen. Statt auf ein Win-win aller hinzuwirken, ist er mit einem Win-Loose bereits sehr zufrieden. Er heizt Konflikte an und zündelt an politisch hoch explosiven Pulverfässern herum, wenn er darin einen Vorteil für sich selber sieht. Er teilt und spaltet die eine Menschheit, um zu herrschen und zu dominieren. Er sucht nur seine eigene Sicherheit zu stärken, auch wenn das die Sicherheit aller ruiniert.

Denn der Homo Knallkopf ist ein eingebildeter Dummerjan, der immer und überall und ausschließlich an das Schlechte im Menschen glaubt, außer natürlich in sich selbst. Das einzige Werkzeug, das er kennt, ist ein Hammer, und er sieht in allem einen Nagel, den er damit einschlagen muss. Vor Krieg und Gewalt schreckt er nicht zurück. Der Krieg ist für ihn etwas Legitimes, es sei denn, es ist der Krieg eines anderen. Seine eigenen Kriege sind für ihn nichts weiter als die ganz normale Fortsetzung der Politik mit dem Mittel der Gewalt, das selbstredend völlig gerecht und alternativlos ist. Mit dem gerechten Töten für eine gerechte Sache, die natürlich immer die Seine ist, kennt er sich bestens aus.

Wenn er mal keine Kriege führt, redet der Homo Knallkopf auch gerne von Kooperation. Doch bei der Auswahl seiner Partner ist er sehr wählerisch, und er schließt andere vorzugsweise aus. Statt zum Wohl aller Menschen zusammenzuarbeiten, betreibt er ökonomisch und politisch eine ruinöse Konkurrenz, die eher früher als später den ganzen Planeten an die Wand fahren wird.

Ein Lebensrecht anderer, nicht-menschlicher Erdbewohner kennt der Homo Knallkopf natürlich nicht — das versteht sich ja von selbst. Und auch die Zukunft seiner eigenen Kinder und Enkel bedeutet ihm nicht viel. Zwar gibt es manchmal Tage, an denen er gerne nachhaltig leben und seinen Nachfahren eine bewohnbare Welt hinterlassen würde, aber dann kommt doch wieder irgendetwas anderes dazwischen, das ihm gerade wichtiger erscheint. Macht nichts, denkt er sich, nachhaltig kann ich auch noch später werden. Auch wenn das bedeutet, dass es ein Später für ihn mangels Nachhaltigkeit gar nicht mehr geben wird. Diesen offensichtlichen Widerspruch hat er mit seinem Erbsenhirn noch immer nicht begriffen. So verzehrt er fröhlich weiter seinen eigenen Planeten, bis nicht mehr viel zum Leben übrig bleibt.

Manchmal träume ich davon, dass sich der Homo Knallkopf verwandelt, dass eine wunderbare Metamorphose geschieht, die aus dem dummen, brutalen Schläger, aus dem unersättlichen Vielfraß einen Homo sapiens macht. So, wie sich eine hässliche, gefräßige Raupe in einen schönen Schmetterling verwandelt. Für den Moment ist das leider nur ein Traum, aber auch Träume sind nicht ganz unmöglich. Auch sie können Wirklichkeit werden. Eines fernen Tages. Und vielleicht ist das sogar der normale Weg einer jeden Zivilisation in diesem Universum. Sie muss unweigerlich im rohen Naturzustand beginnen, um sich dann erst mühsam und unter großen Schmerzen zur Zivilisation hin zu entwickeln. Vielleicht werden auch die Bewohner der Erde diesen Weg noch gehen, wenn sie sich selbst nicht vorher auslöschen. Das ist zumindest meine große Hoffnung.

Vielleicht gehört die Erde aber auch zu jenen Planeten, die den Zustand der Zivilisation niemals erreichen, weil sich ihre Bewohner aus Angst, sie könnten nicht das größte Stück vom Kuchen bekommen, lieber auf ewig gegenseitig quälen. Statt einfach zusammen in einem Paradies zu leben.

Denn genau das ist die Erde: ein Paradies. Wer das nicht glaubt, der betrachte nur den Mond, den Mars, die Venus oder den Merkur. Die Erde ist ein Juwel unter den Planeten. Im Umkreis von etlichen Lichtjahren gibt es nichts Vergleichbares, geschweige denn Besseres. Wir sollten dem Schicksal dankbar sein, dass wir hier leben dürfen, ja: dass wir überhaupt leben dürfen.

Der Homo sapiens wäre darüber sehr glücklich und zufrieden, während der Homo Knallkopf es noch nicht einmal bemerkt. Er nimmt in seiner völligen Beschränktheit das Besondere, das Außergewöhnliche der Erde für selbstverständlich. Und verhält sich so, als wenn er sich jederzeit eine neue basteln könnte. Dass er das nicht kann, und dass eine freundliche Erde nichts Selbstverständliches ist, wird er noch schmerzhaft erfahren müssen. Leider wird er nur aus Schaden klug, nicht aus vernünftiger Überlegung. Er ist eben kein Homo sapiens. Wenn er Glück hat, wird sich das irgendwann noch einmal ändern, sofern er lange genug überlebt. Aber wann und ob überhaupt, das liegt allein an ihm.

Ich für meinen Teil wünsche ihm jedenfalls auf seiner weiteren Reise von Herzen alles Gute. Und das meine ich durchaus nicht ironisch. Ich meine es wirklich so. Ich wünsche dem einzigen Vertreter der Gattung Homo, den es noch gibt (und die Betonung liegt auf „noch“), dass er für seine Zukunft bessere Entscheidungen trifft als in der Vergangenheit. Vor allem wünsche ich ihm die Kraft, einzusehen, dass er selbst sein größter Feind ist. Und dass er einen Weg findet, den Feind in sich selbst zu überwinden.

Und was wird er dann entdecken? Dass er selbst sein größter Freund sein kann. Wenn er dazu auch noch seinen Verstand zu nutzen lernt, dann, ja dann … dann kann seine glückliche Zeit als Homo sapiens vielleicht doch noch beginnen.

Die Selbstzivilisierung des Menschen

Der Mensch ist ein Produkt darwinistischer Prinzipien, und auch die menschliche Kultur folgt in ihrer Entwicklung ebendiesen Prinzipien. Nur jene Ideen, Denkweisen und Handlungsweisen haben Bestand, die sich gegen andere durchsetzen. Sie setzen sich durch, wenn sie für Menschen attraktiv sind, oder wenn Menschen mit Macht (politisch, ökonomisch, weltanschaulich, …) sie mit Mitteln der Verführung, der Propaganda oder einfach mit Gewalt durchsetzen.

Letzteres ist nur möglich, weil die Menschen nicht gleich sind. Zwar sollten sie nach unseren eigenen Ansprüchen gleich sein, gleich an Rechten und gleich an Pflichten. Nominell sind sie das auch. Aber weil sie ungleich sind an Mitteln und an Einfluss, können sie von ihren Rechten nur ungleich Gebrauch machen. Es gibt diese Ungleichheit in allen gesellschaftlichen Gruppen, in der Familie, in der Kommune, im Land, innerhalb der ganzen Menschheit. Macht ist konzentriert bei wenigen, während die Mehrheit über wenig Macht verfügt oder sich dieser Macht nicht bewusst ist (so wie ein Arbeitselefant, der sich von einem Menschenzwerg herumkommandieren lässt, weil er sich seiner Kräfte nicht bewusst ist). Die Mehrheit wird über ökonomische Abhängigkeiten sowie Versprechungen und Verlockungen, durch die Kunst der Verführung, durch Propaganda, durch weltanschauliche Zwänge (Denkgebote und Denkverbote, deren Einhaltung auch durch sozialen Druck seitens der peers überwacht wird) oder durch pure Gewalt davon abgehalten, sich ihrer eigenen Macht bewusst zu werden und sie zu nutzen. Die wenigen haben nur Macht, wenn die Mehrheit nicht zusammen steht, wenn sie sich in Einzelne atomisieren lässt und deshalb ihre Macht nicht umsetzen kann.

Wenn der Mensch ein Produkt darwinistischer Prinzipien ist, wie kann man da erwarten, dass sich sein Handeln nicht nach diesen Prinzipien richtet? In einem darwinistischen Universum, in einer darwinistischen Welt ist der darwinistische Mensch nur natürlich. Aber nur, weil etwas natürlich ist, muss es nicht unbedingt etwas Gutes und Erstrebenswertes sein. Der darwinistische Mensch ist einer, der Menschenleben zerstört. Man kann es nicht deutlich genug sagen: der Darwinismus vernichtet Menschenleben. Er ist nur für die Starken da, während er die Schwachen hinwegfegt. Deshalb kann man nur froh sein über jede Idee, jede Denkweise und jede Handlung, die den Darwinismus transzendiert, die über die darwinistische Natur hinauswächst. Wenn der Mensch sich zivilisiert, wenn er sich Regeln für das Zusammenleben gibt, mit denen er den Darwinismus hinter sich lässt — dann erst ist er wirklich ein Mensch, dann erst schöpft er sein eigenes Potential aus. Ein Potential, das von Beginn an in ihm schlummert, das aber erst geweckt werden muss. Solange er im Darwinismus verharrt, führt der Mensch nichts weiter als eine barbarische Existenz. Dass er dabei gelegentlich Kostümchen oder Nadelstreifen trägt, ändert daran gar nichts. Selbst mit dem feinsten Zwirn bleibt er ein Menschenfresser, der davon lebt, die Leben anderer Menschen zu verzehren.

Freilich kann man den Darwinismus niemals ganz loswerden. Das ist schlechterdings nicht möglich. Er ist ein Naturprinzip, und der Natur können wir nicht vollständig entkommen. Ihre Gesetze können wir nicht aushebeln. Auch gute Ideen müssen sich gegen schlechte durchsetzen, um sich unter den Menschen auszubreiten. Anders funktioniert es nicht. Das ist aber nur eine geringfügige Einschränkung, solange die guten Ideen selbst den Darwinismus hinter sich lassen. Das bedeutet natürlich auch, dass sie nicht mit Gewalt oder Lügen verbreitet werden. Sondern durch die Kraft des ehrlichen Arguments und des guten Vorbilds.

Die Feinde der Freiheit

Die Freiheit hat viele Feinde. Meistens sind es Menschen, die ihre eigene Freiheit sehr hoch schätzen, aber in sich den Drang verspüren, die Freiheit anderer Menschen lieber zu beschränken.

Diese Beschränkung funktioniert über Macht, die von Menschen ausgeübt wird, die diese innehaben. Ganz grob lassen sich folgende Arten von Macht und Machtausübung unterscheiden:

  • Staatliche Macht: wird durch Organe des Staates ausgeübt (Regierung, Gesetzgebung, Polizei, Gerichte, Militär)
  • Weltanschauliche Macht (Religionen, Ideologien): wird durch Vorschriften weltanschaulicher Autoritäten ausgeübt. Bei Verstoß droht soziale Ächtung (bei Unterstützung durch weltliche Gesetze auch juristische Bestrafung)
  • Ökonomische Macht: ökonomisch Stärkere halten ökonomisch Schwächere in Abhängigkeit, diktieren ihnen ihre Bedingungen oder drängen sie ab im Wettbewerb; darüber hinaus können sie die Regierung und die Gesetzgebung beeinflussen.
  • Gesellschaftliche Macht: wird durch Menschen ausgeübt, die im sozialen Umfeld die Deutungs- und Bewertungshoheit beanspruchen und darüber entscheiden, wie sich die Individuen zu verhalten haben.
  • Innerfamiliäre Macht: durch die Ausnutzung von finanziellen und emotionalen Abhängigkeiten sowie durch die Ausübung von Druck werden Familienmitglieder kontrolliert und gefügig gemacht.

Potentielle Feinde der Freiheit gibt es also viele. Deshalb ist es auch naiv, wenn sich sogenannte freiheitliche Parteien allein auf den bösen Staat als Feind der Freiheit kaprizieren. Auffällig ist insbesondere, dass viele, die sich liberal oder libertär nennen, für einen Feind der Freiheit völlig blind sind: nämlich für die ökonomische Macht. Für viele „Liberale“ ist sogar der demokratische Staat böse und muss beschnitten werden, während der undemokratische Markt immer nur das Gute bringt und freien Lauf erfordert. Dass der Markt mit der Ausübung ökonomischer Macht verbunden ist und damit auch mit der Beschneidung von Freiheit — davon wollen diese vorgeblichen „Freunde der Freiheit“ nichts wissen.

Früher

Früher gab es mal kluge Männer und Frauen bei der FDP, doch das ist schon lange her. Was für ein Unterschied zwischen einer Hamm-Brücher und einer Strack-Zimmermann — OMG.

Früher gab es mal kluge Männer und Frauen bei den Grünen, doch das ist schon lange her. Was für ein Unterschied zwischen einer Kelly und einer Baerbock — OMG.

Früher gab es mal kluge Männer und Frauen bei der SPD, doch auch das ist schon lange her. Was für ein Unterschied zwischen einem Brandt und einem Scholz — OMG.

Früher war nicht alles besser — OMG. Aber manches schon.